Ich habe meine eBooks von Kindle Direct Publishing zurückgezogen. Anlass: KDP nervte mich mit obskuren amerikanischen Steuerformularen, die ich – versehen mit Ultimatum – ausgefüllt nach Seattle schicken sollte. Per Post.
Außerdem ist Amazon als Quasi-Monopolist nicht die Plattform, auf der ich guten Gewissens eBooks exklusiv anbieten möchte. Daher sagte meine sprichwörtliche Hutschnur vor ein paar Tagen: „Platz“.
Streng genommen ist jeder KDP-Teilnehmer ohnehin bescheuert. Oder würde ein normaler Mensch Vertragsbedingungen wie die folgende unterschreiben?
Wir können Ihr Programm-Konto auch jederzeit mit oder ohne vorherige Benachrichtigung aus einem beliebigen Grund nach eigenem Ermessen sperren.
Es gehört schon eine gewisse Ich-will-ein-berühmter-Autor-werden-auch-wenn-ich-meine-Seele-dafür-verkaufen-muss-Attitüde dazu, da ernsthaft den „gelesen und einverstanden“-Button zu drücken. Was tut man nicht alles, um vielleicht doch mal berühmt zu werden?
Ich war fast von Anfang an bei KDP dabei, „Fantasy – aber ohne doofe Elfen“ hat mir eine vierstellige Summe Tantiemen gebracht, einfach weil es eines der ersten 99-Cent-eBooks mit vielversprechendem Titel war. Einmal in den Charts, blieb es dort, weil der Teufel auf den dicksten Haufen scheißt, wenn Bestenlisten nach Umsatz absteigend sortiert werden. Erst nach Monaten wurde meine lustige Fantasy-Storysammlung verdrängt, u.a. weil schlechte Rezensionen die Wertung auf *** festhielten, gute einfach nicht kamen (ergo muss das Buch wohl tatsächlich so mittelmäßig sein) und weil irgendwann bekannte Namen auftauchten, als die Verlage begriffen hatten, dass da was zu holen ist. Der Abwärtstrend war unaufhaltbar. Einmal Verstopfung – immer Verstopfung, sagt der Teufel (um im Bild zu bleiben).
Aus reiner Bequemlichkeit habe ich jahrelang die eBooks exklusiv bei Amazon gelassen (ein paar gibt es allerdings noch bei feedbooks.com, kostenlos), obwohl mir KDP zunehmend auf die Nerven ging und die Umsätze gegen Null gingen. Ohne Werbung oder ein riesiges Klickt-mich-Netzwerk erlangt man keine nennenswerte Sichtbarkeit. Nicht einmal als relativ bekannter Szene-Autor und Schreiber von gut laufenden IT-Fachbüchern gelingen nennenswerte Quer-Verkäufe. Der Markt ist gesättigt, größere Downloadzahlen erreicht man nur bei Gratis-Aktionen, die aber weder Verkäufe noch Rezensionen bringen. Die Tantiemenzahlungen lagen zuletzt unter 5 Euro im Monat.
Klingt jetzt ein bisschen negativ, aber ganz vernichtend ist mein Fazit nicht. Gemessen am Aufwand, die eBooks zu erstellen, habe ich gut verdient – das Material war zumeist schon vorhanden und musste nur überarbeitet und zusammengestellt werden. Bloß für das Elfen-eBook habe ich extra eine ergänzende Novelle geschrieben, weil einige Rezensenten das Buch zu kurz fanden (99 Cent für 9 Kurzgeschichten – Wucher!).
Um die Werke künftig anderswo anbieten zu können, muss ich vertragsgemäß eine Frist von 90 Tagen (Kindle-Select-Exklusivität) einhalten. Das werde ich tun. Anschließend – also Anfang Dezember – bringe ich dann die erfolgreichsten meiner eBooks über neobooks oder bookrix neu heraus, dann auf alle verfügbaren Plattformen (voraussichtlich die Elfen, Zisch-Zitro, die Untoten). Möglicherweise kommt dann auch ein völlig neues. Aber dazu mehr zu einem späteren Zeitpunkt.